Flyer: Abschied von Angesicht zu Angesicht - page 2

Ein Stück Trauerkultur…
Gehörte es noch bis Mitte des vergangenen Jahr­
hunderts in Deutschland zu den Ritualen, Tote
häuslich aufzubahren, damit Familie und Freunde
dem Verstorbenen die letzte Ehre erweisen konn­
ten, wurde es in den folgenden Jahrzehnten nor­
mal, einen Leichnammöglichst schnell aus der Re­
alität undWahrnehmung der Hinterbliebenen zu
entfernen. Seit einigen Jahren lebt jedoch das alte
Abschiedsritual wieder auf: die Zeit zwischen Tod
und Beerdigung als letzteGelegenheit zu nutzen,
den Verstorbenen sehen und berühren zu können.
Unterstützung bei der Trauerbewältigung
Wissenschaftliche Studien belegen, dass der be­
wusste Abschied von einem Verstorbenen am of­
fenen Sarg für die weitere Trauerarbeit sehr wich­
tig ist. Hier beginnt die aktive Trauerbewältigung,
ein visueller Abschied, der die Furcht nehmen kann
und hilft, ein positives Bild vom Toten und letztlich
auch vom Tod in Erinnerung behalten zu können.
Bei diesem wichtigen Prozess der Trauerbewälti­
gung soll ein gutes, ruhiges und friedliches Bild
des Verstorbenen mitgenommen werden. Es ist je­
doch nicht immer ohneweiteresmöglich, demVer­
storbenen diesen natürlich schlafenden Charakter
zu geben.
Modern Embalming
Hier der praktische Thanatologe an, dessen Ar­
beit – eine eigenständige Form der hygienischen
und kosmetischen Totenversorgung – auch unter
dem Namen „Modern Embalming“ bekannt ist.
Der Grundsatz der praktischen Thanatologen lau­
tet: Verstorbene so zu versorgen und herzurichten,
dass dieHinterbliebenen eineAbschiednahmeam
offenen Sarg durchführen können. Neben der hy­
gienischenGrundversorgung, die sicherstellt, dass
auf würdige und pietätvolle Weise vom Verstor­
benen Abschied genommen werden kann, arbei­
ten Thanatologen aber auch rekonstruktiv: Mit Hil­
fe unterschiedlicher Verfahren können durch Verlet­
zungen oder auszehrende Krankheiten verursachte
Entstellungen an Gesicht und Körper so korrigiert
werden, dass es dem ursprünglichenAussehendes
Verstorbenen entspricht. Auf dieseWeise kann der
für die Trauerbewältigung so wichtige Abschied
am offenen Sarg auch in ansonsten schwierigen
Fällen realisiert werden.
OffeneAufbahrung, Überführungen…
Eine weitere Arbeit des Thanatologen ist die Ein­
balsamierung, die vor allem zum Ziel hat, den Zu­
stand des Leichnams so zu erhalten, dass ein Be­
gräbnis ohne übermäßige Hast möglich ist, eine
offene Aufbahrung auch über mehrere Tage zu
Hause oder ein offener Abschied auch bei einer
später stattfindenden Trauerfeier ermöglicht wird.
Auch für eine Überführung, beispielsweise ins
Ausland, ist es nötig – zum Teil sogar gesetzliche
Vorschrift – dass Verstorbene mittels Einbalsamie­
rung hygienisch und kosmetisch versorgt werden.
Nicht alle Bestatter haben oder brauchen diese
lange, qualifizierte Ausbildung. In unserem Team
gibt es jedoch gleich drei ausgebildete Thanato­
logen.Mit dem1995 gegründeten „Institut für an­
gewandte Thanatologie“ bieten wir das Modern
Embalmingauch unserenBestatterkollegenan, die
diese Ausbildung nicht absolviert haben.
Mit der Anwendung thanatologischer Verfahren
wollen wir die Furcht vor dem Toten nehmen und
dazu verhelfen, dass die Trauer bewusster wahr­
genommen werden kann. Neben den Möglich­
keiten, die sich dabei für die offene Aufbahrung
zu Hause ergeben, stellen wir aber auch in un­
serem Bestattungsunternehmen Räume zur Verfü­
gung, in denen am offenen Sarg Abschied ge­
nommenwerden kann. ImGegensatz zur Aufbah­
rung in der Trauerhalle besteht hier die Möglich­
keit, dass Verstorbene von ihren Angehörigen zu
jeder Zeit besucht werden können.
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