Flyer: Patientenverfügung - page 2

Patientenautonomie am Lebensende
Durchdenwissenschaftlichenund technischenFort­
schritt in der Medizin kann heute auch schwerst­
kranken Menschen geholfen werden. Was für
vieleMenschen Hoffnung oder Chance bedeutet,
macht jedoch anderen Menschen Angst. Angst
vor einer Leidens- und Sterbensverlängerungdurch
Apparatemedizin am Lebensende. Ob und wel­
che medizinischen Maßnahmen ergriffen wer­
den, kann jedoch jederMensch für sich selbst ent­
scheiden.
Entscheidungen verbindlich dokumentieren
In jeder Lebenslage kann der Fall eintreten, dass
eine persönlicheWillensäußerung nur noch einge­
schränkt oder gar nicht mehr möglich ist. Die Aus­
stellung einer Patientenverfügung ist eineMöglich­
keit, rechtzeitig und bei klarem Bewusstsein Vorsor­
gezu treffen. Ineiner Patientenverfügung kannman
sich zu seinenWünschen bezüglich medizinischer
Behandlung, Nichtbehandlung oder Behandlungs­
begrenzung äußern. Diese Verfügung soll helfen,
denWillen des Betroffenen in Bezug auf zum Bei­
spiel künstliche Beatmung oder Ernährung, Organ­
spende oder Reanimation verbindlich zu dokumen­
tieren. Sie ist Vorsorge für den Fall, dass Sie Ihren
eigenenWillen nicht mehr äußern können.
Was ist eine Patientenverfügung?
Die Patientenverfügung nimmt Erklärungen vor­
weg, die bei bewusstem Zustand unmittelbar dem
Arzt hätten erklärt werden können. Sie ist eine vor­
sorgliche schriftliche Erklärung, durch die Sie zum
Ausdruck bringen können, dass Sie in bestimmten
Krankheitssituationen keine Behandlungmehr wün­
schen, wenn diese Behandlung nach Ihrer Auffas­
sung nur dazu dient, ein zu Ende gehendes Leben
künstlich zu verlängern.
Patientenverfügung: Ja oder Nein?
Wer seine Angehörigen bei den existenziellen
Fragen, die Krankheit, Leiden oder Sterben be­
treffen, von schwierigsten Entscheidungen entlas­
ten möchte, tut sicher gut daran, seinenWillen in
einer Patientenverfügung festzulegen. Man über­
nimmt damit selbst die Verantwortung für die Fol­
gen, wenn Ärzte diesen Wünschen entsprechen.
Entscheidungen, die über bestimmte Grenzsituati­
onen des Lebens getroffen werden, sind nie ein­
fach. Viele Überlegungen gehen einer solchen
Willensbildung und -festlegung voraus. Man sollte
sich in jedem Fallemit den eigenenWertvorstellun­
genauseinandersetzen, seineEinstellungenzumei­
genen Leben und Sterben bedenken und auch die
Rolle der Religion im eigenen Leben hinterfragen.
Entscheidungshilfen
Es gibt eine Vielzahl verschiedenerMuster für Pati­
entenverfügungen, denen jedoch sehr unterschied­
liche konzeptionelle Überlegungen und auch ver­
schiedene weltanschauliche und religiöse Über­
zeugungen zugrunde liegen. Solche Muster kön­
nen jedoch niedieBeratung imEinzelfall ersetzen.
Es sind immer sehr individuelle Entscheidungen je­
des Einzelnen, die ihren Ausdruck in einer Patient­
verfügung finden.
Wir empfehlen daher, sich von einer ärztlichen
oder anderen fachkundigen Person oder Organi­
sation beraten zu lassen, bevor eine schriftliche
Patientenverfügung abgefasst wird. Für fachlichen
kompetenten Rat durch einen Rechtsanwalt emp­
fehlen wir Ihnen gerne einen kundigen Ansprech­
partner.
Unser Tipp
Eine sorgfältig erarbeitete Hilfestellung mit Text­
bausteinen für die Formulierung individueller Ent­
scheidungen und mit Beispielen möglicher Patien­
tenverfügungen erhalten Sie als Broschüre beim
Bundesministerium der Justiz im Internet:
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