Flyer: Todesfall und Finanzamt - page 2

Nach dem Tod ist alles anders
Nichts von dem, was sich ein Mensch an materi­
ellen Gütern auf dieser Erde erworben hat, kann
er nach dem Tod mitnehmen – und nichts davon
bleibt geheim. Dennder Tod löst vieleVerwaltungs­
akte aus – auch für Banken und Versicherungen.
Diese haben nämlich gegenüber dem Finanzamt
umfangreiche Anzeigepflichten. Auskunft erteilen
muss ein Kreditinstitut zum Beispiel über
n
die Personalien des Verstorbenen, seinen To­
destag und seinen Sterbeort
n
dieNummern undGuthabenbestände vorhan­
dener Konten
n
Nummern, Bezeichnung und Kurs vonWert­
papierdepots
n
Art undWert hinterlegterWertpapiere
n
Schließfächer und hinterlegteWertsachen
Auch Immobilienbesitz wird dem Finanzamt zeit­
nah bekannt. Kurzum: Zu keinem anderen Zeit­
punkt ist das Finanzamt so gut über Vermögens-
und Einkommensverhältnisse informiert wie nach
einem Todesfall. Das Finanzamt kann also sehr ge­
nau beobachten, ob zum Beispiel von den Erben
des Verstorbenen Zinsen und Kapitalerträge für ge­
erbtes Vermögen angegebenwerden.
Lohn- und Einkommenssteuer
Mit dem Tod endet auch die Lohn- bzw. Einkom­
menssteuerpflicht. Je nach Tätigkeit, Einkommens­
art und Familienverhältnissen des Verstorbenen
muss jedoch für diesen noch eine Steuererklärung
für die Zeit vom Jahresbeginn bis zum Todestag
angefertigt werden. In Einzelfällen können die Er­
ben die im Zusammenhangmit der Bestattung ent­
stehenden Kosten als sogenannte außergewöhn­
liche Belastungen selbst steuermindern geltendma­
chen, sofern die steuerrechtlichen Voraussetzungen
(insbesondere Überschreitung der zumutbaren Be­
lastung) vorliegen. Die Aufwendungen für die Be­
stattung mindern vorab den Nachlasswert (siehe
nächste Spalte), so insbesondere:
n
Aufwendungen für Überführung und Bestattung
n
übliche Trauerfeier (ohne Bewirtungskosten)
n
angemessenes Grabmal
n
Krankheitskosten (sofern nicht bereits an ande­
rer Stelle berücksichtigt)
Die Anschaffung von Trauerkleidung gehört nicht
zu den außergewöhnlichen Belastungen.
Erbschaftssteuer
Jede Person, die aus einer Erbschaft etwas erwirbt
(als Erbe, Vermächtnisnehmer, Pflichtteilsberech­
tigter oder Begünstigter einer Auflage), unterliegt
der Steuerpflicht nach den Bestimmungen des Erb­
schaftssteuer- und Schenkungssteuergesetzes. Hat
der Erblasser bereits vor seinem Tod sein Vermögen
an den Erben übertragen, verringert sich dieHöhe
des Nachlasses um das bereits übertragene Ver­
mögen. DieHöhe der Erbschaftssteuer bemisst sich
grundsätzlichnachdemWert der Erbschaft undder
Zugehörigkeit des Bedachten zu einer von drei ge­
setzlich vorgesehenen Steuerklassen. Es muss nicht
der ganze Nachlass versteuert werden, sondern
nur das,was nachAbzug vonVerbindlichkeiten üb­
rigbleibt. Zu denabzugsfähigen Posten zählendie
sogenannten Erbschaftsschulden, also Schulden,
die der Erblasser selbst hinterlassen hat.Weiterhin
zählendazudieErbfallschulden. Dies sindalleKos­
ten, die imZusammenhangmit dem Todesfall selbst
stehen (Kosten für Beerdigung, Zahlungen an Ver­
mächtnisnehmer, Kosten für Nachlassverwaltung).
Unsere Empfehlung
Durch dieMeldepflichten der Kreditinstitute gegen­
über dem Finanzamt und wegen der vielfältigen
Steuerbestimmungen ist es ratsam, bei einem To­
desfall einen Steuerberater hinzuzuziehen. Wenn
der oder die Verstorbene vermögend war oder ei­
nenGewerbebetrieb geführt hat, ist dies sogar un­
erlässlich.
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